Früheinschulung in Berlin -
aus pädagogischer Sicht an unserer Schule

Sabine Dingendorf-Barteleit
Kunsttherapeutin und als Lehrerin in der Elementargruppe tätig

Dorothee Kionke
Kunst- und Werklehrerin und Kontaktperson von Schulleitung zu Elementargruppe

 

Es gibt in Berlin acht Waldorfschulen sowie zwei weitere Schulen, die gerne in den Bund der Waldorfschulen aufgenommen werden wollen. Nach vielen Konferenzen von Lehrern und Kindergärtnerinnen, die im Schuljahr 2004/2005 stattfanden und in der Zusammenarbeit von Schule und Kindergarten als eine Erneuerung angesehen werden können (Eine erste Zusammenarbeit von Schule und Kindergarten und darüber hinaus von Lehrer- und Erzieherseminar, Eltern und ehemaligen Schülern war schon für die Waldorf-Woche 2004 entstanden.), gibt es jetzt zwei verschiedene Modelle der Betreuung der schulpflichtigen fünfeinhalbjährigen Kinder.

Eine Gruppe arbeitete mit Hilfe unseres Öffentlichkeitssprechers daran, die Bedingungen für die kleinen Kinder so gut wie möglich zu arrangieren und bei den Behörden die Vorstellungen eines "Wanderlehrers", der in die Waldorfkindergärten geht, durchzusetzen. Es gab viel Entgegenkommen von Seiten der Behörden, sodass zwei Waldorfschulen (Mitte und Kreuzberg) nach diesem Modell arbeiten. Dies ist schon öfters in Bundeszusammenhängen vorgestellt worden. Alle anderen Waldorfschulen haben sich aber dafür entschieden, an der eigenen Schule eine Gruppe der schulpflichtigen Kinder einzurichten. Diese wird Nullte Klasse, Basalklasse oder Elementargruppe genannt und auch unterschiedlich in der Ausgestaltung gehandhabt. Im Folgenden möchten wir berichten, wie es in unserer Schule, der Waldorfschule Märkisches Viertel, gestaltet wird:

Seit August 2005 gibt es eine Gruppe von 18 fünfeinhalbjährigen Kindern, die laut Gesetz schulreif sind und deren Eltern mit der Waldorfschule Märkisches Viertel Berlin einen Schulvertrag abgeschlossen haben. Da wir die Verantwortung ernst nehmen wollten, für unsere vertraglichen Schulkinder Sorge zu tragen, haben wir es für richtiger angesehen, bei uns an der Schule selbst eine Klasse für sie einzurichten. Wir nannten diese Klasse bewusst "Elementargruppe", um der Schulgemeinschaft deutlich zu machen, dass die Kinder in unserem Sinne noch keine "Schulkinder" sind. In dieser Gruppe arbeiten eine Waldorfkindergärtnerin sowie eine Kunsttherapeutin, die früher bei uns im Kunstunterricht tätig war. Beide sind auch Mütter der Schule, haben somit zusätzlich Erfahrung aus der eigenen Kindererziehung und begaben sich mit großem Engagement in die neue Arbeit. Die Vorbereitung geschah im Schuljahr 2004/2005, anfangs in einer Arbeitsgruppe der Pädagogischen Konferenz, im Weiteren dann mit einer im dritten Durchgang tätigen Klassenlehrerin unserer Schule und zwei ehemaligen Klassenlehrerinnen. Diese drei erfahrenen Lehrerinnen erarbeiteten mit den beiden Kolleginnen, die dann selbst tätig werden sollten, das Konzept der Elementargruppe.

Wie im Kindergarten gibt es noch eine flexible Ankommenszeit zwischen 7.30 und 8.20 Uhr (das ist unser Schulbeginn) in die Freispiel-Situation hinein. Kurz vor 9 Uhr begrüßen die Kinder und Erwachsenen den Tag mit einem Morgenkreis und finden sich in einem gemeinsamen Jahreszeiten-Reigen. Dies, wie auch das wöchentliche Brötchenbacken, steht mehr unter der Obhut der Erzieherin.

Das gemeinsame Essen ist für die Kinder ein wichtiger Lernbereich und wird in der Gemeinschaft sehr gepflegt. Nach dem Frühstück folgt für die Kinder an jedem Tag ein spezielles Lernangebot durch die Lehrerin oder andere Kolleginnen der Schule. In geteilten oder noch kleineren Gruppen sind das: Malen, Werken oder Handarbeit, Musik, Eurythmie.

Der Freitag ist Ausflugs-Tag, an dem die Kinder bei jedem Wetter eine Wanderung in einem Waldstück an der ehemaligen Berliner Mauer machen und dort Spiel-, Lern- und Klettermöglichkeiten finden.

Der Vormittag endet mit einem Erzähl- oder Puppenspielteil vor dem Mittagessen. Manche Kinder werden dann abgeholt, die anderen ruhen sich nach dem Essen für etwa eine halbe Stunde in einem abgedunkelten Raum auf Matten aus, was ein wichtiges "Luftholen" für die Kinder ist, die nach 14.30 Uhr noch die Hortbetreuung der Schule in Anspruch nehmen. Diese erfolgt durch eine Erzieherin des Hortes (70 Kinder) in den vertrauten Räumen der Elementargruppe; sie können sich aber auch mit den größeren Hortkindern, z.B. im Garten, treffen.

Das Anlegen eines eigenen Gartens (und dann das Lernen und Arbeiten darin) ist für die Elementargruppe fest vorgesehen, konnte jedoch bis jetzt noch nicht umgesetzt werden.

Es hat sich als sehr positiv gezeigt, dass während des gesamten Vormittags immer beide Ansprechpartnerinnen - Erzieherin und Lehrerin - für die Kinder da sind. So entstand ein vertrauter Rahmen, in dem sehr individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder eingegangen werden kann. Es besteht z.B. die Möglichkeit, dass einzelne Kinder noch etwas Besonderes unter Anleitung tun können, während die anderen schon in das Freispiel und den Garten gehen.

Sehr hilfreich ist auch die Tatsache, dass die beiden Räume der Elementargruppe (mit kleiner Küche) etwas abseits vom Schulgebäude liegen und die Kinder somit kein Klingelzeichen hören. Die Begegnungen mit dem Schulgeschehen entstehen durch Besuche beim Koch, bei der Sekretärin, in der Schulbibliothek und der Holzwerkstatt und durch Teilnahme der Kinder an den Schulfeiern.

So hoffen wir, für die Kinder einen guten Übergang zu schaffen von dem noch sehr geschützten Kindergartenalltag zur Vorbereitung auf das mehr schulische Lernen in der 1. Klasse. Dabei sollen sie möglichst viele Gelegenheiten haben, im Spielerischen ihre Sinne zu betätigen und möglichst umfassend nachzureifen.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...
Eindrücke vom Begrüßungsfest der Elementargruppe am 13. August 2005

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